Also wollen wir per Anhalter in die Stadt zurück. Ich mein, der Weg ist arschlang, aber wir sind ihn schon tausend Mal gelaufen. & außerdem hatten wir eh nix besseres zu tun, also dachten wir uns, wir laufen & haben einfach mal gehofft, uns nimmt wer mit. Hat aber keiner gemacht, obwohl mitten am Tag der Wind angezogen hat & und den See total aufgepeitscht hat, wie das um die Jahreszeit nun mal so ist & sich dann die ganzen Typen mit ihren Speedbooten im Schlepptau wieder auf den Weg in die Stadt gemacht haben. Ich mein, jeder zweite Wagen war leer & es hätte die nich umgebracht anzuhalten & uns mitzunehmen, aber das haben sie nich gemacht & wir sind halt weiter gelatscht.
Mächtig heiß war es auch noch für die Jahreszeit, aber wir halt immer weiter. Wir hatten auch noch keinen Plan wie wir am Ende nach Hause kommen sollten, aber Waldo dachte, er kann vielleicht seinen Bruder Josh überreden, uns abzuholen, wenn der mit der Arbeit fertig ist. Aber deswegen haben wir uns keinen Kopf gemacht. Wie man nach Hause kommt und so Zeug, kann immer noch bis später warten.
Wir hatten erst ein mini Stück vom Weg geschafft, so ungefähr bis zum Funkmast bei der Kreuzung & da hatte Waldo nen Stein im Schuh oder so & er ist grade dabei den loszuwerden, da sagt Alex: Wollen wir den Turm raufklettern? & ich & Waldo, wir nur so: Vergiss es, Alter. Du wirst so was von erwischt da oben. Weil, es war ja nich so, dass es mitten in der Nacht gewesen wäre oder so. Es war helllichter Tag & jeder, der zum See gefahren ist oder zurück in die Stadt, hätte uns gesehen, weil der Turm genau an der Straßenecke steht. Also haben wir nich mal darüber nachgedacht, weil das so eine hohle Idee war. Ich mein, wir sind ja normal für jeden Mist zu haben, aber das war einfach ein bisschen zu leicht zu sehen. Noch dazu war es kochend heiß, viel zu heiß um irgend so einen dämlichen Funkmast raufzuklettern.
Aber Alex war von dieser Funkmastgeschichte nicht abzubringen. Er so: Boah, das wär so abgefahren & Mann, eines Tages mach ich das & Leute, ihr seid so dermaßene Weicheier, kommt schon, wie sollten das echt machen, und wir nur so: Alex, lass einfach gut sein, klar? Wir klettern nicht über 2 Meter Scheißstacheldraht nur damit du den dämlichen Mast hoch kannst & entweder geschmort oder hochgenommen wirst, also vergiss es einfach, okay?
Mittwoch, 16. März 2011
A Florentine Revenge von Christobel Kent
In ganz Europa war es der heißeste August seit 70 Jahren, und in Florenz waren die Tage geradezu brütend; die Straßen lagen verlassen, bis die Nacht hereinbrach. Die Besucher hielten sich in der Nähe der Klimaanlagen auf, saßen in ihren aufwendig gekühlten Hotelzimmern und blickten in den wolkenlosen, blassblauen Himmel hinaus oder durchstreiften die Lagerverkäufe für Designermode am Stadtrand. Fast alle Florentiner waren fort - an die See oder in die Berge gefahren, sofern sie es sich leisten konnten, zu Verwandten unten im Süden oder auch weniger weit weg, zu den Wäldern und Wasserfällen des toskanischen Casentino. Nur wer sehr alt, sehr arm oder schlicht verrückt war, ließ sich auf den Straßen blicken, und auch das nur früh am Morgen, langsam umherwandernd, noch immer von der nächtlichen Hitze betäubt.
Den ganzen Monat über kühlte es sich nicht ab, nicht einmal um vier Uhr in der Früh, und die Zahl der Todesfälle kletterte immer weiter in die Höhe, verstohlen, bedrohlich, unerbittlich: alte Menschen, Säuglinge, Schwangere. In Gesellschaft ein paar italienischer Herumtreiber leerte ein junger Amerikaner eines Abends zwei Flaschen Rotwein auf den Stufen von Santo Spirito und am Morgen darauf fanden ihn die Straßenkehrer tot zwischen parkenden Autos. Er hatte sich erbrochen, war lebensgefährlich dehydriert, und noch vor Sonnenaufgang – seine neu gefundenen Freunde waren bereits ihrer Wege gegangen – erlag er mehrfachem Organversagen.
In den Vororten der Stadt, Galluzo und Sesto Fiorentino, Scandicci und Isolotto, atmeten die Villen in ihren grünen Gärten friedlich ein und aus, ruhten inmitten von Orangenbäumen und zartem, tropischem Blattwerk, aber Wind gab es keinen. Die Schwimmbäder am Stadtrand – und davon gab es viele, neben Sportstätten, Autobahnen und Wohnanlagen in den Boden gelassen, öffentlich und privat, schmuddelig wie gepflegt – waren überfüllt. Körper drängte sich an Körper – das war eben Italien, doch ein Gedränge nichtsdestotrotz – unter Reihen von Sonnenschirmen fein säuberlich hingelegt auf den leuchtend bunten Badetüchern der Saison, dicht an dicht wie die Ölsardinen. Im Gegensatz zu der still vor sich hinschmorenden Stadt, war die Luft hier lärmerfüllt vom Plantschen, Jaulen, Kreischen und dem heiseren Geschrei von Teenagern im Stimmbruch.
Den ganzen Monat über kühlte es sich nicht ab, nicht einmal um vier Uhr in der Früh, und die Zahl der Todesfälle kletterte immer weiter in die Höhe, verstohlen, bedrohlich, unerbittlich: alte Menschen, Säuglinge, Schwangere. In Gesellschaft ein paar italienischer Herumtreiber leerte ein junger Amerikaner eines Abends zwei Flaschen Rotwein auf den Stufen von Santo Spirito und am Morgen darauf fanden ihn die Straßenkehrer tot zwischen parkenden Autos. Er hatte sich erbrochen, war lebensgefährlich dehydriert, und noch vor Sonnenaufgang – seine neu gefundenen Freunde waren bereits ihrer Wege gegangen – erlag er mehrfachem Organversagen.
In den Vororten der Stadt, Galluzo und Sesto Fiorentino, Scandicci und Isolotto, atmeten die Villen in ihren grünen Gärten friedlich ein und aus, ruhten inmitten von Orangenbäumen und zartem, tropischem Blattwerk, aber Wind gab es keinen. Die Schwimmbäder am Stadtrand – und davon gab es viele, neben Sportstätten, Autobahnen und Wohnanlagen in den Boden gelassen, öffentlich und privat, schmuddelig wie gepflegt – waren überfüllt. Körper drängte sich an Körper – das war eben Italien, doch ein Gedränge nichtsdestotrotz – unter Reihen von Sonnenschirmen fein säuberlich hingelegt auf den leuchtend bunten Badetüchern der Saison, dicht an dicht wie die Ölsardinen. Im Gegensatz zu der still vor sich hinschmorenden Stadt, war die Luft hier lärmerfüllt vom Plantschen, Jaulen, Kreischen und dem heiseren Geschrei von Teenagern im Stimmbruch.
Die Nebenbuhler (orig. Rivals) von Richard Brinsley Sheridan
Auszug aus Akt I, Szene 2: Mrs. Malaprop und Sir Anthony haben soeben vergeblich versucht ihr Mündel, Lydia, dazu zu bewegen sich ihren Liebsten aus dem Kopf zu schlagen. Sir Anthony ist sich sicher, Lydias Sturheit kommt vom Lesen, während Mrs. Malaprop, die ständig Fremdwörter verwechselt, unwissentlich illustriert, wie es sich auswirkt, wenn Mädchen keine Bildung erfahren.
Mrs. Malaprop: Was für ein schwieriges, kleines Weibsbild!
Sir Anthony: Das ist auch kein Wunder, Madam, so muss es ja kommen, wenn man Mädchen das Lesen lehrt. Und hätte ich tausend Töchter - der Himmel sei mein Zeuge - ich ließe sie eher die schwarze Magie erlernen als das Alphabet!
Mrs. Malaprop: Na na, Sir Anthony, Sie sind mir ja ein richtiger Misanthrop.
Sir Anthony: Auf meinem Weg hierher, Mrs. Malaprop, habe ich gesehen, wie die Zofe Ihrer Nichte aus einer dieser Leihbüchereien kam! In jeder Hand hielt sie ein Buch – solche mit Lederrücken und marmoriertem Einband! Da wurde ich gleich gewahr, wie eifrig die junge Dame wohl bei der Sache ist.
Mrs. Malaprop: Das sind entsetzliche Orte, fürwahr!
Sir Anthory: Madam, eine Leihbücherei in der Stadt gleicht einem immergrünen Baum diabolischer Erkenntnis! Das ganze Jahr hindurch in voller Blüte! Und glauben Sie mir, Mrs. Malaprop, die, die mit Vorliebe die Blätter betrachten, verzehren sich beizeiten auch nach der Frucht.
Mrs. Malaprop: Aber aber, Sir Anthony, das meinen Sie doch sicher ikonisch.
Sir Anthony: Nun ja, Mrs. Malaprop, nur bedingt. Was sollte eine Frau denn Ihrer Meinung nach lernen?
Mrs. Malaprop: Hören Sie gut zu, Sir Anthony. Keinesfalls wünschte ich, meine Tochter, solle ein Kind der Gelehrtheit sein. Ich finde so viel Gelehrsamkeit steht einer jungen Frau nicht gut an. So würde ich nicht dulden, dass sie sich mit dem Griechischen befasst, oder mit Hebräisch, Algebra, Symphonie, Fluktuation, Paradoxie oder dergleichen aufhetzerischen Lehrbereichen – schon gar nicht muss sie sich mit irgendwelchen Ihrer mathematischen, astronomischen, diabolischen Instrumente abmühen. Allerdings, Sir Anthony, würde ich sie im Alter von neun Jahren auf ein Internat schicken, damit sie ein wenig geistreich und kunstfertig werde. Außerdem, Sir, sollte sie eine Ahnung vom Haushalten bekommen. Und mit dem Heranwachsen, ließe ich sie in Geometrie unterrichten, damit sie sich etwas mit den Ländern auskennt, auf unserem Inkontinent. Aber vor allem, Sir Anthony, sollte sie der Orthodoxie mächtig sein, dass sie bloß die Wörter nicht so furchtbar falsch schreibt und ausspricht, wie Mädchen das häufig tun; sie soll ja schließlich kapitalisieren, was ihre Aussagen wirklich bedeuten. Das, Sir Anthony, sollte eine Frau meiner Meinung nach lernen – und ich bin überzeugt, nichts davon ist adäquat.
Abonnieren
Posts (Atom)